Studentische Wohnungsnot

Die LAK Berlin arbeitet seit einiger Zeit intensiver zur studentischen Wohnungsnot und hat im April 2018 eine wohnpolitische Kampagne begonnen. Damit reagieren die Berliner Asten auf die für Studierende untragbaren Mieten auf dem Wohnungsmarkt, auf den 95% der 180.000 Studierende in Berlin angewiesen sind. Auch beteiligte sich die LandesAstenKonferenz an der #Mietenwahnsinn-Demo am 06. April 2019.

Um der akuten Wohnungslosigkeit von Studierenden zum Semesterstart vorzubeugen, forderten die Berliner Asten im Wintersemester 2017/18 den Senat auf, Notunterkünfte für Studierende bereitzustellen. Gleichzeitig stellen Notunterkünfte keine Lösungen dar - nicht allein, weil die Mehrheit der Studierende von explodierenden Mieten betroffen sind, sondern auch da Notunterkünfte einen niedrigeren Wohnstandard normalisieren. Die Broschüre "Gegen die zulassungsbeschränkte Stadt - Ein studentischer Blick auf Wohnungsnot" bietet die LAK zum kostenlosen Download an.

StuWerk_Wohnheimplätze vs Warteplätze
Die aktuelle Entwicklung zeigt einen Rückgang der über das StuWerk angebotenen Wohnheimplätze - diese sind in der Regel günstiger, da von öffentlicher Hand getragen. Das Angebot deckt nicht den Bedarf, der seit 2012 kontinuierlich ansteigt und inzwischen sogar 1/3 der Studierenden, die sich für einen Wohnheimplatz bewerben unversorgt lässt.

Studierende arbeiten häufiger und mehr, um ihre Miete zu finanzieren. Dabei fehlt es zum Teil an Raum zum Lernen, was auch die überfüllten Bibliotheken bezeugen. Neben dem Raummangel und der finanziellen Belastung ist auch die Entfernung zum Studienort ein Problem. 7% der Studierenden wohnen mittlerweile in entfernten Randbezirken, 59% außerhalb der Ringbahn. Abgesehen von langen Pendelzeiten ist das Wohnen in Randbezirken für Familien sicherlich attraktiv - für alleinstehende Studierende kann dies jedoch die Vereinzelung und Anonymität im Studium verstärken. Insgesamt wirkt sich der Immobilienmarkt in mehrfacher Hinsicht negativ auf die Lebensqualität von Studierenden aus. Dabei ist nicht auszuschließen, dass auch die steigende Rate an psychischen Erkrankungen, die höher ist als der Durchschnitt in der Altersklasse, auf die Gesamtbelastung zurückzuführen ist.

LAK Mietbelastungsquote 2019
Die Ausgaben für die Deckung der Mietkosten beträgt bei den meisten Berliner Studierenden mehr als die empfohlene Mietbelastungsgrenze. Diese sollte 30% des Nettoeinkommens nicht überschreiten. Der BAföG-Wohnsatz wurde 2019 zwar annähernd angehoben, deckt aber auch nicht die durchschnittlich zu erreichende Mietbelastungsgrenze der meisten Studierenden.

Die Situation ist insgesamt so prekär, dass weder Notunterkünfte für Studierende noch die sich in Planung befindlichen 5.000 Wohnheimplätze zukunftsweisend sind. Selbst mit den noch ungebauten Wohnheimplätzen bleiben etwa 90%, also etwa 170.000 Studierende, auf den privaten Wohnungsmarkt angewiesen. Der durchschnittliche Preis für neuvermietete WG-Zimmer lag im Jahr 2017 bei 424€ monatlich. 2016 waren es noch 407€. Studentische Beschäftigte verdienen mit einem normalen SHK Job 450€ im Monat, wobei viele Studierende unter schlechteren Bedingungen als dem Tarifvertrag für Studentische Beschäftigte arbeiten.

Aufgrund dessen fokussiert sich die wohnpolitische Kampagne der LAK auf die Entwicklung eines längerfristigen Lösungsansatzes. Hierbei sieht die LAK die Einschränkung des privaten Immobilienmarkts als zentral, da dieser Maximalprofite auf Kosten der Lebensqualität von Studierenden macht. Dabei stellen nicht allein Baugenehmigungen für Luxusappartments im Namen von Studierenden ein Problem dar, sondern auch das spekulative Handeln der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften. Derzeit baut die landeseigene berlinovo Wohnheimplätze über dem Bafög-Wohnsatz. Ein höherer Bafög-Satz für Studierende hätte die Folge, dass mehr Gelder vom Bund in den Berliner Immobilienmarkt fließen. Für die 87% der Studierenden die kein Bafög erhalten bedeutet dies steigende Mieten. Das ist keine Wohnungspolitik im Interesse der Studierenden.

Wohnheimbau Berlin StuWerk und Berlinovo
Der Berliner Senat hat 2012 die landeseigene Immobiliengesellschaft berlinovo GmbH mit dem Bau von studentischem Wohnraum beauftragt. Wohnheimplätze bei Berlinovo sind im Schnitt teurer und die Vergabe ist nicht an eine Immatrikulation gebunden. Mit dem Gewinn will das Land seine Schulden tilgen.

Die LAK sieht einen radikalen Kurswechsel als notwendig, um den privaten Wohnungsmarkt daran zu hindern, Verarmung und Wohnungslosigkeit weiter voranzutreiben. Öffentliche Gelder dürfen nicht weiter in den privaten Immobilienmarkt fließen und öffentliche Träger sollten sich nicht an der Immobilienspekulation beteiligen dürfen. Stattdessen muss Wohneigentum in öffentliche Hand geholt werden, und zwar durch Enteignung und Rekommunalisierung. Der Immobilienmarkt muss durch Steuern und Verbote zurückgedrängt und ein öffentlicher, nicht profitorientierter Wohnungsmarkt ausgebaut werden. Wir wollen Eigentum in der Hand des Berliner Studierendenwerks sehen, kontrolliert durch einen Verwaltungsrat, in dem auch Studierende vertreten sind. Mit der Forderung schließt sich die LAK den Forderungen an, die seit längerem von der wohnpolitischen Bewegung der Stadt geäußert werden, und trägt zu einem spezifischen Blickwinkel aus studentischer Perspektive bei. Die Grundversorgung der Studierenden sollte Priorität der Berliner Hochschulpolitik werden.

Kontakt: wohnen@lak-berlin.de